| 11 Januar 2008 |
Manifest des PostaktualismusDer Begriff Erfahrung ist sehr wichtig fur die Wahrnehmung eines Kunstobjektes, das mit den Handen und der Fantasie des Kunstlers geschaffen wurde. Die Fahigkeit zur Reflexion ist eine unbedingte Voraussetzung des Schaffens. Durch die Erfahrung eroffnen sich fur den Kunstler Wahrheiten, die ein Mensch ohne Fahigkeit zur Reflexion nicht ergrunden kann. Erfahrung ist nach unserem Verstandnis nicht unmittelbar vom Alter abhangig. Die Gedanken und Fantasien eines erfahrenen Menschen haben immer einen reifen Charakter. Die Erfahrung lehnt den Protest als Selbstzweck ab, ebenso wie den Skandal als einzige Moglichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Erfahrung und Fahigkeit zur Reflexion implizieren ruhiges Arbeiten, den Wunsch nach professioneller Vervollkommnung und verstandiges Experimentieren. Das Schaffen und die Ansichten dieses Menschen zeichnen sich nicht durch banale Lebensweisheiten, sondern durch die methodologische Herangehensweise an Kreativitat, Weltanschauung und Konsum aus. Er hat kein Interesse an lauten Skandalen und Protesten, muss sich nicht in den Vordergrund drangen. Das gab es alles schon in seinem Leben. Er hat eine solide Schule durchlaufen. Ihn interessiert jetzt die philosophische Seite des Lebens und Schaffens, aber nicht im Sinne der Suche nach etwas sondern im Sinne der Reflexion. Diese Kunst des POSTAKTUALISMUS lost die aktuelle Kunst der Museen und Galerien der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ab. Kunstlerische Unausgeglichenheit und leere Formelhaftigkeit fuhren zu Langeweile und Verzagtheit - die gro?ten Feinde der Kunst. Handwerkliche Geziertheit und technologischer Uberflu? verneinen den Wert der Arbeit des Kunstlers. Die erhohte Aufmerksamkeit des Betrachters am Ende des 20. Jahrhunderts, der in den Strudel der informationstechnologischen Revolution geraten ist, zwang einen Teil der Kunstler darauf zu reagieren und neue Ausdrucksformen zu suchen. Diese betonten die Fortschrittlichkeit und au?erliche Originalitat des Autors, aber schadeten dem inneren Gehalt des Gegenstandes. Ausgefeilte, politisierte und pseudo-aufstandische Kunstobjekte fullten die Austellungssale. In der Folge wurde PR wichtiger als die freie Kunst. Die Kunst trat in den Hintergrund. Genau diese PR gepragte Kunst nennen wir aktuelle Kunst des spaten 20. und fruhen 21. Jahrhunderts. Mit dem Begriff POSTAKTUALISMUS bezeichnen wir eine Richtung in der Kunst, deren Objekte von professionellen Kunstlern mit klassischen Mitteln und Methoden geschaffen werden. Sie sind frei von direkten politischen und religiosen Komponenten, aber besitzen durchaus philosophische Zuge. Fur die Enstehung des postaktualistischen Kunstobjekts ist die innere Welt des Kunstlers genauso wichtig wie seine Kreativitatsmethode. Obwohl der Autor der postaktualistischen Kunst ein Mensch ist, der von einer Vielzahl neuer Medientechnologien umgeben ist, ist seine Kunst eher konservativ und verstandlich, jedoch nicht langweilig. Sie fugt sich organisch an andere Kunstspharen an. Postaktualistische Kunst wird vom Kunstler geschaffen, um in unbegrenzter Menge konsumiert zu werden, fast wie ein Vitamin: Es gibt eine empfohlene Dosierung, aber eine Uberdosierung ist nicht todlich. Alexander Solovey |
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